Symposium

Cannabis Health Symposium: Frankfurt

Deutschland hat den am weitesten entwickelten Rahmen für medizinisches Cannabis in Europa — die Wissenschaft, das System und Fortbildung für Angehörige der Gesundheitsberufe.

Die Frankfurter Skyline und der Main im Mint-Duotone von Cannabis Health.
Datum
4. November 2026
Uhrzeit
09:00 – 16:30
Veranstaltungsort
Mainhaus, Frankfurt, Deutschland
Für wen
Angehörige der Gesundheitsberufe · Industrie · Patientenvertretungen
Inklusive
12 Monate kostenlose MCCS-Mitgliedschaftim Wert von bis zu 120 £

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Seit den Reformen des CanG verändert sich die Versorgung mit medizinischem Cannabis in Deutschland rasant. Das Cannabis Health Symposium bringt Klinikerinnen und Kliniker, Industrie und Patientenvertretungen in Frankfurt zusammen, um die Evidenz, den regulatorischen Rahmen und die praktischen Realitäten von Verschreibung und Zugang zu beleuchten.

Programm

4. November 2026 · 09:00 – 16:30 · 12 Sessions, davon 4 Podiumsdiskussionen

Programmänderungen vorbehalten — Zeiten, Titel und Referierende können noch angepasst werden.

  1. 09:00Einlass — Registrierung & Networking-Kaffee
  2. 09:20

    Begrüßung

Vormittag

  1. 09:40

    Industrie-Session

    Industrie-Spotlight — wird noch bekannt gegeben

  2. 10:00

    Vortrag

    Der deutsche Markt für medizinisches Cannabis: eine Standortbestimmung

    • Tobias Bosse · Chief Commercial Officer, Grünhorn Gruppe

    Der deutsche Markt für medizinisches Cannabis hat sich seit Inkrafttreten des Cannabisgesetzes im April 2024 grundlegend verändert. Einfachere Verschreibung, wachsender telemedizinischer Zugang und eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz haben den Zugang für Patientinnen und Patienten deutlich erweitert und das Marktwachstum beschleunigt.

    Mehr lesen

    Der Vortrag bietet einen datenbasierten Blick auf den aktuellen Stand des Marktes und konzentriert sich auf zwei Fragen: Welche makroökonomischen, regulatorischen und wettbewerblichen Trends prägen die Branche, und wie entwickelt sich die Nachfrage der Patientinnen und Patienten? Betrachtet werden das steigende internationale Angebot, der zunehmende Wettbewerb und Preisdruck sowie regionale und produktbezogene Nachfragemuster.

  3. 10:20

    Podiumsdebatte

    Telemedizin-Debatte: Revolution oder Risiko für medizinisches Cannabis?

    • Dr. Christiane Neubaur · Geschäftsführerin, Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA)
    • Tobias Bosse · Chief Commercial Officer, Grünhorn Gruppe

    Kaum eine Entwicklung seit dem CanG hat die deutsche Medizin so gespalten wie die telemedizinische Verschreibung. Online-Plattformen haben Tausende Patientinnen und Patienten in eine Behandlung gebracht, die vor Ort nie eine verschreibungsbereite Praxis gefunden hätten — für Menschen in ländlichen Regionen oder mit eingeschränkter Mobilität ein echter Fortschritt. Kritiker halten dagegen, dass dasselbe Modell einen parallelen Zugangsweg geschaffen hat, der eher an Versorgung mit Ware als an Medizin erinnert — und sie können auf Zahlen verweisen: Die verschriebenen Mengen haben die Importe stark steigen lassen, und die EKOCAN-Evaluation konnte nicht feststellen, wie viel davon überhaupt aus medizinischen Gründen konsumiert wurde.

    Mehr lesen

    Der Gesetzgeber hat bereits reagiert. Die MedCanG-Novelle der Bundesregierung würde die Verschreibung von Cannabisblüten auf persönlich untersuchte Patientinnen und Patienten beschränken, den Versandhandel untersagen und alle vier Quartale eine erneute Konsultation vor Ort verlangen. Verabschiedet ist sie nicht. Der Entwurf liegt im Ausschuss, eine Entscheidung wird für Ende 2026 erwartet, und die politische Stimmung hat sich von einem Verbot hin zu Qualitätsanforderungen verschoben. Damit bleibt die zentrale Frage offen: Wie sollte gute telemedizinische Cannabisversorgung tatsächlich aussehen — und wer entscheidet das?

    Das Podium diskutiert, wo die Fernbeurteilung Patientinnen und Patienten wirklich dient und wo sie hinter dem Standard zurückbleibt, den Verschreibende bei jedem anderen kontrollierten Wirkstoff verlangen würden; wie sich die Haftung verteilt, wenn Konsultation, Abgabe und Nachsorge bei drei verschiedenen Anbietern liegen; was ein Versandverbot für die Kontinuität der Versorgung bedeuten würde; und welche Anforderungen eine qualitätsorientierte Lösung stellen müsste, um Klinikerinnen und Kliniker, Regulierer und Patientinnen und Patienten gleichermaßen zu überzeugen.

  4. 11:00

    Podiumsdiskussion

    Pharmazeutische Qualität: Braucht Europa einen gemeinsamen Rahmen für medizinisches Cannabis?

    • Ana Serrato · Vorsitzende, ASTM-Unterausschuss Cannabis Human Health (D37.11); Vorsitzende der EUMCA, ASTM International
    • Tjalling Erkelens · Vorstandsvorsitzender, Bedrocan International

    Deutschland hat eines der anspruchsvollsten Qualitätsregime Europas aufgebaut. Blüten werden fast ausschließlich importiert, gegen die Ph.-Eur.-Monographie freigegeben und in der Apotheke erneut geprüft, bevor sie die Patientin oder den Patienten erreichen. Für Verschreibende ist dieses mehrstufige System die wichtigste Gewähr dafür, dass das, was auf dem Rezept steht, auch das ist, was abgegeben wird.

    Mehr lesen

    Das Podium fragt, wie viel diese Gewähr über Grenzen hinweg tatsächlich wert ist. Dieselbe Sorte kann je nach Herkunftsland und der jeweils angewandten GMP-Auslegung ganz unterschiedliche Qualitätspfade durchlaufen — und kommt in der deutschen Apotheke dennoch unter ein und derselben Monographie an. Die Teilnehmenden betrachten, was das klinisch bedeutet: für die Konsistenz von Charge zu Charge, für die Substitution von Produkten bei Lieferausfällen und für die Dokumentation, auf die sich Verschreibende stützen, wenn Haftungsfragen aufkommen.

  5. 11:40

    Vortrag

    Wann wird ein Standard zur Regel? ASTM D37, GMP und das medizinische Cannabis, das deutsche Ärztinnen und Ärzte verschreiben

    • Ana Serrato · Vorsitzende, ASTM-Unterausschuss Cannabis Human Health (D37.11); Vorsitzende der EUMCA, ASTM International

    Wer in Deutschland verschreibt, verordnet ein Produkt, das fast vollständig außerhalb Deutschlands angebaut und verarbeitet wird. Zwischen Pflanze und Rezept liegt eine Ebene freiwilliger Konsensstandards, die kaum eine Klinikerin oder ein Kliniker je zu Gesicht bekommt — die aber prägen, wie Qualität, Prüfung und Herstellung in der Praxis definiert werden, lange bevor ein Regulierer sie formalisiert.

    Mehr lesen

    Das Komitee D37 von ASTM International hat seit 2017 mehr als vierzig solcher Standards entwickelt, unter Mitwirkung von über tausend Expertinnen und Experten aus dreißig Ländern, darunter Health Canada, der National Research Council of Canada und die U.S. Pharmacopeia. Mehrere wurden bereits direkt in Regulierung übernommen. Aktuelle Arbeiten zu Qualitätsmanagementsystemen und guter Herstellungspraxis adressieren genau die Uneinheitlichkeit zwischen Rechtsräumen, die Europa bislang nicht gelöst hat.

    Die Session führt ein klinisches Publikum in diese Landschaft ein, zeigt, wo Konsensstandards die pharmazeutische Regulierung ergänzen und wo sie Lücken schließen, die die Gesetzgebung nicht erreicht hat, und stellt den Auftrag des neuen Health-Unterausschusses von D37 vor.

  6. 12:00

    Vortrag

    Endometriose und mehr: Medizinisches Cannabis in der Frauengesundheit

    • Dr. Shabnam Sarshar · Beraterin für Frauengesundheit und Cannabinoid-Therapeutika, The Recalibration
    • Sylvia Mechsner · Ärztin und Gynäkologin, Charité – Universitätsmedizin Berlin

    Rund zwei Millionen Frauen in Deutschland leben mit Endometriose — und bis zur Diagnose dauert es im Schnitt noch immer acht bis zehn Jahre. Hormontherapie und Operation bleiben die Standardverfahren, doch viele Patientinnen berichten von unzureichender Schmerzkontrolle, schlechtem Schlaf und Nebenwirkungen, die sie kaum tolerieren. In dieser Lücke sind die Patientinnen der Evidenz vorausgegangen: In einer Befragung von mehr als 900 deutschsprachigen Endometriose-Patientinnen unter Leitung des Endometriosezentrums der Charité wurde Cannabis als wirksamste Selbstmanagement-Strategie bewertet, mit den größten Verbesserungen bei Schlaf und Regelschmerzen; rund neun von zehn Befragten reduzierten ihren Gebrauch konventioneller Analgetika. Der Vortrag legt dar, was über das Endocannabinoid-System bei Endometrioseschmerz bekannt ist, was patientenberichtete Daten stützen können und was nicht — und wo Cannabinoide in einem multimodalen Behandlungspfad ihren Platz haben könnten.

    Mehr lesen

    Chronische Schmerzen und Schlaflosigkeit gehören zu den häufigsten Indikationen für die Verschreibung von medizinischem Cannabis, und beide treten bei Frauen häufiger auf — allein die Fibromyalgie steht für einen adressierbaren deutschen Markt von rund 72 Millionen Euro. Dennoch gibt es kaum hochwertige Studien zu Geschlechtsunterschieden in der Cannabinoid-Pharmakologie, keine für die weibliche Physiologie entwickelten Produkte und wenig Orientierung dazu, wie Zyklusphase oder Hormonstatus Dosis und Ansprechen beeinflussen. Der Wegfall der Kassenerstattung für Cannabisblüten im Juli 2026 verschärft das Problem — er trifft eine Patientinnengruppe, die ohnehin bereits selbst zahlt.

    Die Session diskutiert, wie das Endocannabinoid-System zum Endometrioseschmerz beiträgt, welches Gewicht Verschreibende patientenberichteten Daten in Abwesenheit von Studien geben sollten, warum Geschlechtsunterschiede in der Cannabinoid-Wirkung so schlecht charakterisiert bleiben und was sich in Forschungsförderung, Produktentwicklung und Erstattung ändern muss.

  7. 12:30Mittagessen & Networking

Nachmittag

  1. 13:30

    Vortrag & Diskussion

    Die veränderte Rolle und Verantwortung der Apotheken in Deutschland

    • Antonia Menzel · Vorsitzende des Vorstands, BPC – Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V.

    Mit der zunehmenden Verschreibung von medizinischem Cannabis spielen Apotheken eine immer wichtigere Rolle für Produktqualität, Patientensicherheit und regulatorische Compliance. Die Session beleuchtet die Aufgaben der Apotheke — Abgabe, Rezeptur, Qualitätssicherung, Produktauswahl und Patientenberatung — und geht auf den Bedarf an mehr fachlicher Fortbildung ein.

  2. 14:00

    Vortrag

    Cannabinoide vs. Opioide: Eine neue wirksame Substanzklasse für die Behandlung chronischer Schmerzen?

    • Michael Ueberall · Medizinischer Direktor, Center of Excellence in Health Care Research / Institute of Neurological Sciences

    Chronischer Schmerz bleibt einer der größten ungedeckten Bedarfe im Gesundheitswesen und betrifft weltweit mehr als eine Milliarde Menschen. Trotz der enormen medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Last hinkt die Innovation in der Behandlung anderen großen Krankheitsfeldern deutlich hinterher. Nach mehr als einem Jahrzehnt Entwicklung hat Anfang dieses Jahres das erste cannabinoidbasierte Arzneimittel zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen in Deutschland und Österreich die Marktzulassung erhalten. Markiert das eine neue Ära in der Schmerztherapie?

  3. 14:20

    Podiumsdiskussion

    Evidenz oder Ideologie? Cannabispolitik ohne Daten

    • Professor Bernd Werse · Sozialwissenschaftler, Professor für Soziale Arbeit, Frankfurt University of Applied Sciences
    • Sita Schubert · Generalsekretärin, European Medicinal Cannabis Association (EUMCA)
    • Dr. Artur Schrörs · Ehemaliger Leiter des Drogenreferats der Stadt Frankfurt am Main, Freiberuflich tätig

    Deutschland trifft weitreichende Entscheidungen zu Cannabis, ohne die Daten zu erheben, die sie stützen würden. Frankfurt wollte genau diese Lücke schließen — und wurde blockiert. Zugleich haben Kassenpatientinnen und -patienten den Zugang zu Cannabisblüten verloren, während die Evidenzbasis noch im Aufbau ist. Zwei Entscheidungen in entgegengesetzte Richtungen, ein zugrunde liegendes Problem. Das Podium fragt, wer darüber entscheidet, was als ausreichende Evidenz gilt, was Kommunen beitragen können, wenn bundespolitische Instrumente stocken, und worauf Verschreibende sich stützen sollten, solange die Datenlücke bleibt.

  4. 15:00

    Session wird noch bekannt gegeben

  5. 15:40

    Podiumsdiskussion

    Medizinisches Cannabis in Europa: Was andere Märkte die deutsche Praxis lehren können

    Europas Märkte haben im vergangenen Jahrzehnt parallele Experimente dazu durchgeführt, wie cannabisbasierte Therapien zu Patientinnen und Patienten gelangen — und jeder hat hart erarbeitete Lektionen zu Verschreibungsprotokollen, Abgabestandards und klinischer Governance hervorgebracht. Die Session übersetzt diese Erfahrung in praktische Orientierung für deutsche Ärztinnen, Ärzte und Apotheken, die seit dem Wegfall der Kassenerstattung für Cannabisblüten im Juli 2026 unter veränderten Rahmenbedingungen arbeiten.

    Mehr lesen

    Referierende aus drei bis vier Märkten schildern die operativen Aspekte ihrer Systeme: wie Verschreibende Produkte auswählen, wie Apotheken Verifizierung, Qualitätssicherung und Patientenberatung handhaben, wie Wechselwirkungen und komplexe Komorbiditäten in der Praxis gemanagt werden — und wo in jedem Markt vermeidbare klinische oder Abgabefehler aufgetreten sind.

    Die Teilnehmenden verlassen das Podium mit einer vergleichenden Referenz für ihre eigenen Abläufe und einem klareren Blick darauf, welche Praktiken sich für den deutschen Kontext lohnen.

  6. 16:30Ende & Networking

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